Bevor Vanlife und all die anderen Ideen und Wege klarer wurden, gab es hier einen ganz anderen Plan.
Wir wollten Gästezimmer anbieten. Unser Zuhause öffnen. Reisende willkommen heißen. Die Idee klang richtig: Menschen aus verschiedenen Ländern, Gespräche am Küchentisch, ein kleines Stück Welt bei uns.
Also haben wir unser erstes Zimmer auf booking.com eingestellt.
Doch schon nach kurzer Zeit haben wir gemerkt: So schön die Vorstellung war – es passte nicht zu uns. Gastfreundschaft ja, aber nicht im Takt von Buchungskalendern, An- und Abreisezeiten und Erwartungen, die wenig Raum lassen für das eigene Leben.
Unsere Pläne sind wichtig, auch wenn sie nicht bleiben. Sie zeigen einem, was man wirklich möchte – und was nicht.
Hier mein Bericht über unsere erste Buchung: 😉
Endlich war Wochenende, die Wettervorhersage war vielversprechend und ich war alleine! Agnese war in Riga auf einem Seminar. Mir tat es ganz gut, mal wieder einmal Zeit für mich zu haben. Nur für mich! Einfach in der Sonne liegen, etwas dösen und das Wichtigste, NICHTS TUN! Die letzten Jahre waren sehr anstrengend, da wir nur damit beschäftigt waren, unser altes/neues Holzhaus nach unserem Geschmack umzubauen und für Gäste attraktiv zu machen. Der Plan war, das Gästehaus bei „Booking.com“ einzustellen und somit unser Paradies „Abelites“ mit anderen zu teilen und gleichzeitig etwas Geld zu verdienen. Ich hatte mich immer mal wieder, zwischen Tür und Angel, mit „Booking.com“ beschäftigt und mit interessanten Text und verführerischen Fotos das Gästehaus auf der besagten Webseite eingestellt. Das ich dem nicht meine ganze Aufmerksamkeit schenkte, sollte mir später zum Verhängnis werden.
Zurück zu dem schönen sonnigen Freitagmittag. Agnese war unterwegs und ich stellte das Bier kalt sowie den Liegestuhl in Position. Die Sonne brutzelte auf meinem Bauch und nach vielen Jahren dachte ich mir endlich wieder einmal, „ist das Leben nicht schön!“ Diese trügerische Ruhe wurde von dem Gesumme meines Telefons gestört. Ich schaute halb benommen auf mein Telefon. Es war eine Meldung von „Booking.com“. „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben die erste Buchung. Vier Gäste für zwei Nächste inklusive Frühstück. Anreise ist in ca. 2 Stunden.“ Es durchfuhr ein Blitz meinen kompletten Körper. Das kann doch nicht wahr sein, dachte ich mir. Es kann sich dabei doch nur um ein Missverständnis handeln. Aber nach weiterer Recherche auf „Booking.com“ mit zittrigen Händen musste ich feststellen, dass es kein Missverständnis war. Es war ein Buchung aus Estland, 4 Personen. Aber unser Gästehaus hatte nur Platz für 2 Personen. Ich hatte nur den Gedanken, die Buchung irgendwie zu stornieren. Aber so einfach war das nicht. Außerdem war ich so nervös, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Als Gastgeber war es nicht so einfach Buchungen zu stornieren, wenn es nicht mit Sanktionen bestraft werden sollte. All diese Dingen, wie z.B. dass eine Anreise erst einen Tag nach der Buchung möglich ist, wie viel Personen max. ein Zimmer belegen können usw. konnte man vorher auf der Webseite von „Booking.com“ einstellen. Ich hatte es versäumt und nun hatte ich den Schlamassel.
Kopflos rannte ich durch den Garten, zum Gästehaus und checke dort die Lage. Hier war nichts auch nur ansatzweise bereit für Gäste die zwei Nächte hier verbringen könnten. Geschweige denn 4 Gäste. Es war der Horror! So habe ich mir meine erste Buchung nicht vorgestellt. Doch plötzlich summte wieder mein Telefon. Ich traute mich nicht hinzuschauen. Aber diesmal kam die Meldung nicht aus der Hölle sondern vom lieben Gott persönlich. Es war eine Anfrage, ob die Buchung eventuell kostenlos storniert werden kann. „NATÜRLICH! Das ist doch überhaupt kein Problem!“; dachte ich mir. Diese Nachricht war ein Erleichterung, wie man sie nicht in Worte fassen kann. Ich hätte heulen können, so froh war ich. Mit erhöhtem Puls konnte ich mich endlich wieder in meinen Liegestuhl legen. Das zuvor gekühlte Bier war nun nicht genug, ich brauchte einen Schnaps!
Mein Puls war wieder fast im normalen Bereich, das summte mein Telefon erneut. Mit starrem Blick las ich die folgende Meldung. Es war wieder eine Nachricht aus der Hölle. Es war eine Buchung, 4 Personen, zwei Nächte inklusive Frühstück. Ich weigerte mich innerlich diese Buchung zu akzeptieren aber ich hatte keine Wahl. Die Buchung trug denselben Namen wie die vorherige Buchung. Was war passiert? Es überschlugen sich die Ereignisse. Agnese rief mich an, da sie von dem Mann aus Estland angerufen wurde, der bei uns übernachten wollte. So ganz kann ich den Ablauf nicht mehr rekonstruieren und sortieren, da sich mein Kopf drehte und mein Magen verrücktspielte. Um es abzukürzen. Es war ein Mann mit seinen drei Töchtern die hier in der Nähe an einem See, zu einem Surf-Event wollten. Nach der ersten Buchung stellten sie fest, dass der See doch zu weit weg war von uns und stornierten sie. Kurze Zeit später habe sie aber feststellen müssen, dass in der Nähe des Sees keine freie Unterkunft war und buchten somit erneut. Das das Gästezimmer nur Platz für zwei Personen hat, war für sie auch kein Problem, da die Mädchen zu dritt im Bett schliefen und der Vater in den zwei Nächten am Tisch der Gemeinschaftsküche sah´s und…..Wein trank. Ich hatte in den zwei Nächten kein Auge zu gemacht und hatte mich über wieder rüber geschlichen und heimlich in das Fenster geguckt. Ich fühlte mich wie ein Eindringling auf dem eigenen Hab und Gut. Es war schrecklich aber gleichzeitig eine sehr lustige Erfahrung. Dass im Gästezimmer die Fliegen in den Fenstervorhängen klebten und das es nur an einem Morgen Frühstück gab, hat diese Familie nicht gestört.
Als sie dann am Sonntag wieder nach Hause fuhren, war ich unglaublich erleichtert und sehr stolz auf mich. Da ich das alles irgendwie hinbekommen hatte und meine Mühe mit einer sehr netten Bewertung auf „Booking.com“ belohnt wurde. Ich war aber auch sehr müde und nach einer Mütze voll schlaf habe ich erst einmal den Computer angemacht und all diese „verrückten“ Einstellungen bei „Booking.com“ korrigiert, damit bei allem lustigen wie diese Geschichte auch war, so etwas nicht noch einmal passiert! 🙂
