Die, die hier gelebt haben – Ein Zuhause auf Zeit

Im Laufe der Jahre haben mehrere Tiere bei uns gelebt. Nicht alle sind geblieben. Hier halten wir ihre Geschichten fest.

Jede Katze und unser Hund Clärchen, die zu uns kam, hatte ihre eigene Geschichte.
Keine von ihnen war einfach „nur ein Tier“.
Sie waren Seelen mit Vergangenheit, mit Angst, mit Vertrauen – und mit einem Platz in unserem Leben.

Minze war schon da, bevor wir kamen. Sie lebte draußen, scheu, vorsichtig, immer auf Abstand. Es war Agnese, die ihr zeigte, dass Nähe nicht gefährlich sein muss. Dass ein Zuhause mehr ist als ein Ort. Am Ende hat Minze ihre Angst verloren – und lebte mit uns im Haus.
Wir glauben, dass ein Auto sie traf. Sie starb in Agneses Armen.
Nicht allein.

Princess war Minzes Tochter. Sie war sehr zart und besonders. Ihr Abschied war der schwerste. Wir haben gekämpft. Zu lange vielleicht.
Wir wollten sie nicht gehen lassen. Ihre Nieren und ihre Leber versagten, und über zwei Wochen hofften wir noch auf ein Wunder.
Am Ende mussten wir sie loslassen. Wahrscheinlich war Gift der Auslöser – vielleicht hatte sie eine vergiftete Maus gefressen.

Greta war jung. Viel zu jung. Sie hing sehr an mir, suchte Nähe, folgte mir überall hin. Sie sprühte voller Leben und Neugierde.
Vor unserem Haus wurde sie von rücksichtslosen Menschen überfahren. Manche Verluste fühlen sich falsch an, egal wie viel Zeit vergeht.
Greta war so ein Verlust.

Fleckchen, war ein Sturkopf mit ganz viel Liebe.
Als wir ihn einige Tage nicht mehr sahen, wussten wir, dass etwas nicht stimmte – das war nicht seine Art. Wir fanden ihn auf dem Nachbarfeld.
Übel zugerichtet. Uns war schnell klar, das war kein Tier. Er ist gestorben unter Umständen, die wir nie ganz verstanden haben.
Manchmal ist es besser, nicht alles zu wissen.
Was bleibt, ist Erinnerung – nicht das Warum.

Divascis saß lange vor unserer Tür.Tag für Tag, bis wir sie öffneten.
Er hatte nur ein Auge, weil ein Mensch mit einer Schrotflinte auf ihn geschossen hatte.
Zu viele Kugeln steckten in seinem kleinen Körper. Am Ende konnten wir nichts mehr für ihn tun, außer ihn gehen zu lassen.
Aber vier Jahre lang durfte er bei uns leben. Vier Jahre Sicherheit. Wärme. Erfüllte Wünsche mit ganz viel Leckerlis
Vier Jahre, in denen er wusste, dass er gewollt ist.

Ihre Geschichten sind nicht nur traurig. Sie erzählen auch von Mut. Von Vertrauen. Von zweiter Chance.

Sie alle hatten ein Zuhause. Vielleicht nicht für immer – aber für die Zeit, die ihnen blieb.

Und wir tragen sie weiter in unserem Herzen. 💕


 Clärchen

Vor vier Jahren sah Agnese Clärchen am Straßenrand, als sie auf dem Weg nach Riga war.
Sie rief mich an und erzählte mir von einem Hund, der dort umherlief und sehr verwahrlost aussah.
Ich überlegte nicht lange und fuhr hin, um nachzusehen.

Der erste Plan war, sie ins Tierheim zu bringen.
Doch auf dem Weg dorthin fuhr mir ein betrunkener Autofahrer ins Auto und beging Fahrerflucht.
An diesem Abend blieb nur der Weg zurück nach Hause. Clärchen verbrachte die erste Nacht bei mir.

Am nächsten Tag kamen zwei Mitarbeiterinnen des Tierheims.
Sie prüften ob Clärchen vielleicht einen Chip hat und sie hatte tatsächlich einen. Somit musste Clärchen zunächst zu ihrem Besitzer zurückgebracht werden. Ich sagte, wenn er sie nicht behalten möchte, nehmen wir sie sofort.
Ich war sogar bereit, ihm einen Lebensmitteleinkauf als Ausgleich zu bezahlen. Ich fühlte mich entsetzlich, Clärchen in diese Hände abgeben zu müssen.

Doch kurze Zeit später standen die beiden Frauen wieder bei uns vor der Tür.
Mit Clärchen. Ohne Ablöse. Mir fiel ein Stein vom Herzen!

Sie war etwa fünfzehn Jahre alt.
Jahrelang hatte sie angekettet gelebt – im Sommer im Garten, im Winter bei bis zu minus 25 Grad in einer Garage. Schrecklich!

Sie gewöhnte sich schnell an ihr neues Zuhause! Im Sommer lief sie ununterbrochen durch den Hof und den Garten. Immer in Bewegung.
Es war deutlich zu spüren, dass sie ihre Freiheit genoss.

Clärchen war sanft und dankbar. Und zugleich sehr durcheinander.
Ihre Demenz war weit fortgeschritten. Oft vergaß sie zu essen.
Das war unser größtes Problem: sie überhaupt zum Fressen zu bewegen.
Auch konnte Clärchen nicht allein sein.
Einmal schaffte sie es sogar durch eine kleine Katzenklappe in den Wintergarten.
Bis heute wissen wir nicht, wie sie durch diese Öffnung gepasst hat. Clärchen brachte uns oft zu Staunen und zum Lachen!

Sie brachte aber auch ihre Krankheiten mit: Demenz. Osteoporose. Krebs.

Eineinhalb Jahre lebte sie bei uns.

Als sie sich beim Versuch aufzustehen ein Bein vermutlich brach, wussten wir, dass der Moment gekommen war.
Es war eine Entscheidung aus Verantwortung. Und trotzdem war sie für uns sehr schwer.

Wir haben sie in unserem Garten beerdigt.

Am Tag der Beerdigung geschah etwas, das wir bis heute nicht erklären können.
Unser Hahn Harry lief plötzlich unruhig durch den Garten – und fiel wenig später tot um. Wir glauben, er wollte Clärchen nicht alleine lassen.
Wir haben ihn mit Clärchen begraben.

Wir vermissen Clärchen und Harry noch immer 💕

Harry mit Ulla und Henriette…
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